Geoengineering

Geoengineering als möglicher Klimaretter?

Um bis zum Jahr 2100 eine Erderwärmung von über zwei Grad Celsius zu verhindern, wie es 2015 im Pariser Klimaabkommen beschlossen wurde, muss die Menschheit die Schadstoffemissionen drastisch senken. Ob dies jedoch schnell genug machbar ist, steht derzeit noch nicht fest. Daher versuchen Forscher, das Klimaproblem mithilfe von Geoengineering anzugehen und technische Lösungen gegen die globale Erwärmung zu finden. Das Vegan Strom-Lexikon stellt Dir diese Konzepte genauer vor.

 

Welche Ansätze verfolgt das Geoengineering?

Zur technischen Behebung oder zumindest Verringerung des menschengemachten Klimawandels existieren verschiedene Konzepte. Das wohl bekannteste liegt in den negativen Emissionstechnologien. Der hier verfolgte Ansatz ist in der Theorie recht einfach: Kohlenstoffdioxid (CO2) soll aus der Atmosphäre zurückgeholt werden, damit das Treibhausgas seine klimaschädlichen Effekte nicht mehr entfalten kann. Beim sogenannten „Carbon Dioxide Removal“ (CDR) wird das Kohlenstoffdioxid mithilfe von biologischen, chemischen oder physikalischen Verfahren aus der Luft entfernt und anschließend in Kohlenstoffdioxidreservoirs gespeichert. Diese Reservoirs können biosphärischer, ozeanischer oder geologischer Natur sein. Jedoch eignen sich nur letztere für eine Langzeitspeicherung. Diese ist allerdings vonnöten, um dem Klimawandel effektiv zu begegnen – andernfalls würde die globale Erwärmung bestenfalls nur kurz verzögert. Erste erfolgreiche Projekte zum Carbon Dioxide Removal existieren bereits. Die Funktionalität und die Kosten der benötigten großtechnischen Nutzung sind allerdings noch unklar.

Zudem gibt es die Überlegung, mit einer Düngung der Ozeane das Wachstum des Phytoplanktons anzuregen. Das Phytoplankton ist tatsächlich in der Lage, enorme Mengen an CO2 zu absorbieren. Sinkt das Plankton zudem auf den Meeresgrund, ist das Treibhausgas effektiv gebunden und wird im Laufe der Jahrmillionen von Sedimentschichten überdeckt. Doch das Düngen der Ozeane bedeutet einen erheblichen Eingriff in die marinen Ökosysteme und ist mit unkontrollierbaren Risiken verbunden. Für die Nahrungsketten müsste zum Beispiel nährstoffreiches und kaltes Tiefenwasser an die Erdoberfläche gepumpt werden. Das wiederum könnte bestehende Meeresströmungen wie den Golfstrom und den Zirkumpolarstrom durcheinander bringen.

Ein anderer Ansatz im Geoengineering besteht darin, nicht die Ursache, sondern die Auswirkungen des Klimawandels zu bekämpfen und unseren Planeten künstlich abzukühlen. Dies könnte über die Beeinflussung der Strahlungsbilanz geschehen. Das heißt, es soll der Erde ermöglicht werden, die Sonneneinstrahlung besser zu reflektieren. Es existieren verschiedene Szenarien, wie sich dieses sogenannte „Solar Radiation Management“ (SRM) erreichen lässt. Zum einen könnte die Landoberfläche durch das Weißen von Siedlungsflächen und den Anbau von helleren Gräsern und Feldfrüchten „aufgehellt“ werden, während man gleichzeitig große Wüstenflächen mit reflektierenden Materialien bedeckt. Auch das Reflexionsvermögen der Wolken ließe sich erhöhen, indem spezielle Wasser- und Luftfahrzeuge durch das Sprühen von Meerwasser und -salz die Wolkenbildung in der Luft beeinflussen. Selbst das vermehrte Einbringen von Schwefeldioxid, Aluminiumoxid und anderen Aerosolen in die Stratosphäre zur verfrühten Reflexion der Sonneneinstrahlung wird diskutiert.

Neben diesen Möglichkeiten des Geoengineerings existieren noch weitere, jedoch weniger effektive Vorschläge. So könnten zum Beispiel auch hohe Zirruswolken mithilfe von durch Flugzeuge eingebrachten Eiskristallen so modifiziert werden, dass sie mehr Wärmestrahlung, die bereits von der Erdoberfläche reflektiert wurde, durchlassen. Auch künstliche Inseln oder andere Barrieren vor Gletscherzungen zur Reduktion des Abschmelzens stehen in der Diskussion.

 

Die Risiken des Geoengineerings

Mithilfe des Geoengineerings wäre es möglich, die klimatischen Bedingungen auf der Erde zumindest temporär zu stabilisieren. Der großtechnische Einsatz von Carbon Dioxide Removal und Solar Radiation Management könnte sich als effektiver als alle anderen Möglichkeiten zur Klimarettung erweisen. Dennoch gibt es viele Bedenken hinsichtlich der Nutzung dieser Technologien. Dass sowohl CDR als auch SRM die globale Erwärmung nicht wirklich bekämpfen, sondern das Problem nur in die Zukunft verschieben, ist dabei nur das geringere Übel.

Die letztendlichen Auswirkungen des Geoengineerings sind aufgrund fehlender Daten nahezu unbekannt. Folglich bringt der großtechnische Einsatz der Technologien unkalkulierbare Konsequenzen mit sich. Mischen wir uns zu stark in das natürliche Klimageschehen unseres Planeten ein, könnten viele verschiedene Nachteile auftreten, die sich oftmals im Voraus nicht einmal erahnen lassen. Hierzu zählen zum Beispiel starke, regionale Temperaturschwankungen und eine Veränderung des Bewölkungs- und Niederschlagsmusters. Eine Verstärkung des sauren Regens und eine Versauerung der Meere wird ebenfalls befürchtet. Das Einbringen zusätzlicher Aerosole in die Atmosphäre würde außerdem die Ozonschicht schädigen. All dies hätte verheerende Auswirkungen auf Flora und Fauna.

Des Weiteren birgt Geoengineering ein hohes Konfliktpotenzial in vielerlei Hinsicht, denn während die einen Staaten den Anstieg des Meeresspiegels fürchten, sehen andere Staaten im Auftauen des Permafrostbodens eine Chance, an Bodenschätze zu gelangen und neue Agrarflächen zu erschließen. Eine übernationale Kontrolle und Koordination der Projekte ist daher vonnöten. Widersprüchliche Interessen einzelner Staaten brächten hier zusätzliche Probleme mit sich. Im schlimmsten Fall würde eine Entscheidungsblockade drohen. Bislang existiert kein bilateraler Rahmen zur Entscheidungsfindung bezüglich der verschiedenen Maßnahmen. Außerdem könnten die Technologien zu militärischen Zwecken missbraucht werden. Auch eine mögliche kommerzielle Kontrolle wäre gefährlich.

Nicht zuletzt sei gesagt, dass ein enormer Rückschlageffekt zu erwarten ist, sollte das Geoengineering aufgrund von finanziellen, technischen oder anderen, unvorhersehbaren Problemen abrupt abgebrochen werden müssen. Die Folge wäre eine extrem verstärkte Erderwärmung von etwa zwei bis hin zu vier Grad Celsius pro Dekade. Dies entspricht ungefähr dem zwanzigfachen Wert des bisherigen Klimawandels.

 

Geoengineering ist alles andere als nachhaltig

Geoengineering wird grundlegend kritisch gesehen. Die möglichen Nachteile überwiegen den Nutzen deutlich. Hinzu kommt, dass das Problem des Klimawandels durch die Technologie ohnehin nicht gelöst, sondern nur zukünftigen Generationen aufgebürdet wird. Nicht umsonst drängen Umweltschutzorganisationen auf ein Verbot von Geoengineeringmaßnahmen – oder zumindest auf ein Moratorium, bis ausreichende wissenschaftliche Ergebnisse vorliegen, um eine sichere Nutzen-Folgen-Abschätzung vornehmen zu können. Forschungsprojekte zum Erschließen von Daten sind hiervon selbstverständlich ausgeschlossen.

Statt sich auf das Geoengineering zur Verzögerung der globalen Erwärmung und zur Schadensbegrenzung zu konzentrieren, ist es weitaus sinnvoller, den Schadstoffausstoß der Menschheit direkt zu reduzieren und konventionelle durch saubere Technologien zu ersetzen. Dies muss vor allem im Verkehrswesen und in der Energiewirtschaft geschehen, da diese Sektoren für den Großteil der anthropogenen Emissionen verantwortlich sind. Vegan Strom fördert daher ausschließlich Regenerative Energien. Mit dem von uns angebotenen Strommix möchten wir den Ausbau von Solarenergie, Geothermie und Gezeitenkraft vorantreiben. Zusätzlich verzichten wir ganz bewusst auf Energiequellen, die Lebewesen schaden oder massiv in Ökosysteme eingreifen. Teilst auch Du unsere Vision von Nachhaltigkeit, Umweltbewusstsein und Tierethik, dann wechsele noch heute zu Vegan Strom und hilf mit, die Welt zu verbessern!

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